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06.11.2026 Kategorie: Bez1: Bornhausen, Mechtshausen-Bilderlahe, Pfa

Abwechslungsreiche musikalische Reformationsfeier

Von Orgelklängen, Jagdhörnern und einem „Reset-Knopf“

Einfach mal den „Reset-Knopf“ drücken. Alles auf Anfang? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber Gewohntes hinterfragen, die Perspektive wechseln und manches neu denken – das passt durchaus zum Reformationstag. Dass dabei neben der Musik auch zwischenmenschliche Fragen ihren Platz haben, zeigte sich am vergangenen Samstag in der Mechtshäuser St.-Nikolai-Kirche. Rund 150 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung zum Reformationsgottesdienst gefolgt und erlebten eine abwechslungsreiche Feier mit Musik, Denkanstößen und Gemeinschaft.

Für den musikalischen Teil hatte Organisator und Organist Holger Winkel ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Selbst an der Orgel, begleitete er unter anderem seine beiden Nichten Maira und Alina Hirschfeld im Gesangsduett sowie Dr. Hartmut Illers an der Trompete. Flötenklänge, Männerchorgesang und ein Orgel-Solo (von Anne Herzberg) machten die musikalische Reise durch drei Jahrhunderte komplett.

Gleich zweimal ließen die Bläser „Waidklang“ der Jägerschaft Seesen ihre Instrumente erklingen und machten damit schon einmal Lust auf den Hubertus-Gottesdienst am kommenden Sonntag, 08. November um 17 Uhr in der St. Catharina-Kirche in Bornhausen.

Für Denkanstöße zwischen den musikalischen Beiträgen sorgte Pfarrerin Claudia Falkenreck-Wünsche, die ihren erkrankten Mann vertrat.

Sie griff das Motto der evangelischen Kirchen für den diesjährigen Reformationstag auf: „Reformation neu feiern: Reset Hoffnung!“ und fragte: Warum eigentlich nicht einmal innehalten, alte Denkmuster hinterfragen und einen neuen Anfang wagen? Schließlich hatte auch Martin Luther seinerzeit einiges infrage gestellt. Sie machte Mut, sich neu daran zu erinnern, was trägt, was Mut macht, was Hoffnung macht. Und sie lud ein, den Reformationstag nicht zu feiern als nostalgischen Rückblick auf ein Ereignis von vor 500 Jahren, nicht als Heldengedenktag (in Erinnerung an große, mutige Männer), sondern als tatsächliche Einladung, auch heute hoffnungstrotzig neu anzufangen.

Auch fragte die Pfarrerin: Wie weit reicht eigentlich unser Vertrauen in andere Menschen?

Und sie erzählte die Geschichte des 60-jährigen Josef, Sonderschulpädagoge, drei ihm fremden Männern bei einer Autopanne. Trotz Sprachbarriere versucht er mit ihnen den Wagen zu reparieren, bietet ihnen schließlich eine Übernachtungsmöglichkeit und leiht ihnen sogar sein eigenes Auto für die Reise in ihr Heimatland. Das Dorf schüttelt den Kopf: Wie kann er nur so „gutgläubig“, naiv, dumm sein? Den Wagen sieht er doch nie wieder! Doch weit gefehlt. Einige Tage später steht einer der Männer wieder vor Josefs Tür. Das Auto? Vollgetankt und frisch gewaschen. Josef sagt rückblickend, da sei er doch überrascht gewesen. Nicht etwa, weil er geglaubt hätte, sein Auto sei für immer verschwunden - Nein, er hatte den Mann schlicht erst am Nachmittag zurückerwartet.

Eine Geschichte, die schmunzeln lässt und zugleich die Frage aufwirft, wann und wo wir alle selbst Großherzigkeit, Gast- und Fremdenfreundlichkeit, Mut und innere Gelassenheit aufbringen.

Für alle Musikerinnen und Musiker und auch dem helfenden Kirchenvorstand gab es als kleines reformatorisches Dankeschön Luther-Taler aus Schokolade und einen Bleistift mit der Unterschrift des Reformators. Bei Getränken und Laugengebäck der Bäckerei Brieske klang die musikalische Reformationsfeier in geselliger Runde aus.

Die Bläsergruppe „Waidklang“ der Jägerschaft Seesen spielt auch am kommenden Sonntag (08. November) in Bornhausen den Hubertusgottesdienst

Die Bornhäuser Nachwuchsorganistin spielte ein sehr schönes, meditatives Orgel-Solo von Michael Schütz

Freude nach dem Konzert über kleine Luther-Präsente als Dankeschön

Ein toller Zusammenklang: Die Chorgemeinschaften aus MGV Bilderlahe und MGV Engelade MGV Rhüden und MGV Lutter unter der engagierten Leitung von Friedjof Pallasdies

Der Flötenchor der Kirchengemeinden unter der Leitung von Heike Sperling

Prof. Michael Koch (Leiter der Bläsergruppe „Waidklang), die Schwestern Alina und Maira Hirschfeld, die einmal wieder mit ihrem rührenden Gesang erfreuten, Natascha Rothe – Vertreterin des Kirchenvorstandes, der wieder alles sorgsam im Blick und vorbereitet hatte

Pfarrerin Claudia Falkenreck-Wünsche dankte dem Organisator und Organisten Holger Winkel für seinen unermüdlichen Einsatz unter anderem mit Bio-„Halleluja“-Traubensaft

Dr. Hartmut Illers an der Trompete (Fotos: Stefan Dörrie)

Beitrag von Natascha Rothe